Wir und unsere Zwetnutschki
Aktualisiert am 07.02.2026
oder: "Wie wir auf den Hund gekommen sind. . ."
Aus gegebenem Anlaß . . .
stelle ich eine Erklärung voran, die den Namen unserer Rasse betrifft:
Die Bezeichnung Rassehund ist mit dem Begriff Bolonka zwetna unvereinbar, weil es eine Rasse "Bolonka zwetna" nicht gibt und auch nie gab!
Um das zu verstehen, ist ein Rückblick auf die Historie unserer Hunderasse unverzichtbar. Diese begann vor 75 Jahren, im Januar 1951, mit der allerersten Paarung - so ist es in den historischen Zuchtdokumenten verzeichnet. Zu der Zeit, bis ca. Mitte der 60er, gab es noch keine endgültige Namensfestlegung. Die sehr unterschiedlich erscheinenden Nachzuchten wurden mit "Arbeitstiteln" benannt, darunter auch "Lhasa Terrier" - was in Kreisen mit mangelhaftem Basiswissen zur Behauptung führt, daß Lhasa Apso (die damals auch in der Sowjetunion unbekannt waren!) eingekreuzt seien, was nicht belegt ist. Da Junghunde eines Wurfes teils sehr unterschiedliche Erscheinungsbilder zeigten, wurden zur Unterscheidung entsprechende Begriffe festgelegt, die ebenfalls in den Zuchtunterlagen dokumentiert sind, nachdem sie durch Verantwortliche der LOOiR genehmigt wurden. So kam es, daß Wurfgeschwister ggfs. mit unterschiedlichen "Rassebezeichnungen" versehen worden sind.
Seit Mitte der 60er Jahre wurde die Bezeichnung Zwetnaja Bolonka, übersetzt "Farbiger Schoßhund" in der Sowjetunion etabliert. Nach den politischen Umbrüchen und Neugründung der RKF (Russische Kynologische Föderation) wird unsere Rasse als Russkaja Zwetnaja Bolonka in die offiziellen Dokumente aller fortschrittlichen Rassehundezuchtvereine weltweit eingetragen; der VDH hinkt auch in dieser Frage, der eigenen Russophobie folgend, den Realitäten gekonnt hinterher.
Halten wir fest: Der von der RKF herausgegebene Rassestandard, publiziert im RKF-Bulletin Nr.4 vom 30. Januar 1997, schreibt den Russkaja Zwetnaja Bolonka unverwechselbar fest, erlaubt aber weiterhin die Schreibweise Zwetnaja Bolonka! Erst der neue Standard vom 24.11.2010 verlangt zwingend die dreiteilige Rassebezeichnung zu verwenden. Als sich der VDH im Februar 2011 herabließ, die RZB-Rasse national anzuerkennen, war er - wie viele andere ebenso - auf die Betrügerin E. Romanenkowa hereingefallen und folglich wurde deren Fälschung als "Standard 1999" angenommen. Damit flossen alle in dieser englischen Übersetzung enthaltenen Fehler und Falschdarstellungen in die VDH-Fassung ein. Deutsche Überheblichkeit verbot sich den direkten Weg über die FCI zur RKF zu gehen. Täglich sehen wir den Niedergang der Rassenzucht hierzulande, vom VDH maßgeblich zu verantworten!
Der Begriff "Bolonka zwetna" hat einen peinlichen Ursprung. Im deutschen Sprachgebrauch fiel seit den 80ern des 20.Jahrhunderts, aus völliger Ignoranz der Rassegeschichte durch Funktionäre des ehem. VKSK, die RZB-Rasse der Verballhornung anheim. Diese diskriminierende Bezeichnung ist durch den korrekten Rassenamen Russkaja Zwetnaja Bolonka zu ersetzen. Alternativ ist auch die Eindeutschung, unter Zugrundelegung der FCI-Namensregeln, als Russischer Zwetnaja Bolonka gleichwertig. "Russischer Farbiger Bolonka" wäre internationalen Gepflogenheiten gerecht, allerdings nicht mit der offiziellen Kurzbezeichnung РЦБ = RZB kompatibel, weswegen das abzulehnen ist. Wir verwahren uns auch strikt dagegen, die Deutsche Sprache einmal mehr mit einer "verdenglischten" Variante zu vergewaltigen! Unsere Seiten wurden vor Jahren entsprechend korrigiert um Lesern und Hundefreunden einen Denkanstoß zu liefern. Der OHFV steht hinter dieser Entscheidung und hat alle seine Dokumente diesbezüglich angepaßt. In der "AG Bolonka" des VK pflegen wir die Zusammenarbeit, auch mit den russischen Freunden, um anstehende Aufgaben gemeinsam einer Lösung zuzuführen.
Selbstverständlich spricht nichts gegen die Beibehaltung umgangssprachlicher Begriffe wie Bolonka, Bolli, Zwetnutschka. Nur die Diffamierung als "Bolonka zwetna" ist unter allen Umständen zu meiden. Offizielle Dokumente nutzen ausschließlich den korrekten Rassenamen bzw. die offizielle Kurzform RZB.
Hunde haben in unserem Leben immer eine +/- große Rolle gespielt, allen voran der Deutsche Schäferhund, der Altdeutsche Hütehund vom Schlage des Harzer Fuchs, und der Landseer (weiß-schwarzer Neufundländer). Letztgenannte Hündin sollte Anfang der 80er eine SDG-Zucht begründen. Mit Brinda nahmen wir sehr viel und gerne an Ausstellungen der Sektion Dienst- & Gebrauchshunde (SDG) teil. Das war viel aufwendiger als heute, die Bedingungen nicht wirklich zum Besten doch die Freunde der ausrichtenden SZG-Sektionen waren mit großem Engagement dabei. Es war die Begeisterung Aller, welche wir dann später mit Mascha in "Neufünfland" so nie mehr erleben konnten. Urkunden und Diplome wurden immer handschriftlich durch entsprechend begabte Freunde direkt vor Ort ausgeschrieben. Der Richter hatte ggfs. einen "Schatten", der ihm mittels Regenschirm ermöglichte, im Ring und bei der Einzelbewertung entsprechende Aufzeichnungen auf ordinärem Papier zu machen. In ihrem 13.Lebensjahr erlag BRINDA vom Glon Dike einem akuten Nierenversagen; sie bleibt uns unvergessen.
Kurz danach strandete hier ein ca. 4 Monate altes Hündchen unbestimmter Herkunft; nett anzusehen, sauber und lieb, irgendetwas zwischen Cocker und Dackel angesiedelt, ohne jeglichen Orientierungssinn und sichtlich verstört. Wir nahmen sie auf. Wenige Monate darauf bekam sie Gesellschaft durch einen Welpe, der noch nichteinmal futterfest war! Vermutlich im Alter von 5, höchstens 6 Wochen in Polen für wenige Groschen durch dumme, gewissenlose Menschen gekauft und als die bemerkten, daß der Welpe noch undicht ist, kaltschnäuzig auf die Straße geworfen. War ja billig, Wegwerfware eben! Diese Bonsaidogge lebte mehr als 17 Jahre bei uns, ehe sie wiederholt einem nun inoperablen Tumor zum Opfer fiel. Das gleiche Schicksal traf auch ihre etwas ältere Gefährtin. Beide Hunde hatten hier ihre Würfe, die allesamt groß geworden sind. Der jeweilige Verursacher hatte sich, ohne das geringste Unrechtsbewußtsein durch Flucht seiner Verantwortung entzogen. Was hätten wir tun sollen? Unser Grundstück war und ist zur Straße hin offen - Hunde stromerten dazumal hin und wieder hier herum...
Auch diese beiden Hundel, welche unterschiedlicher nicht sein konnten, hatten hier ein recht langes und sicherlich glückliches Leben; sie bleiben immer in unserem Gedächtnis!
In den langen gemeinsamen Jahren mit den zwei "Trethupen" reifte bei uns die Erkenntnis, daß Kleinhunde viele Vorteile bieten und so ging es folglich auf die Suche nach einem geeigneten Hund, der unsere Verstellungen am besten zu erfüllen versprach. Nach intensivster Recherche und einer Vielzahl verlockender nicht wirklich seriöser Offerten landeten wir bei einem Züchter, keine 100 km von uns entfernt, dem wir unser Vertrauen schenken konnten. Wir wollten uns nur kompetent beraten lassen, ob diese Rasse, Russkaja Zwetnaja Bolonka, wirklich so ist wie geschrieben, ob sie zu uns passen würde. Alle unsere Fragen wurden großenteils von dem Bollirudel, auf welches wir dort trafen, in unvergleichlicher Weise selbst beantwortet. Die kleinen charmanten Fellkugeln hatten uns ganz fix "um den Finger gewickelt"☺.
Diese erste Begegnung mit einem Bolonkarudel hat uns durch den besonderen Charakter der Hündinnen nachhaltig begeistert. Also schon sowas wie Liebe auf den ersten Blick! Folgerichtig waren wir dann an 1 bis 2 Tagen jeder Woche zu Besuch bei der Bollizucht, ganz konkret bei einem Welpen aus dem letzten Wurf, der in zwei Monaten schon uns gehören sollte. Eine Hündin natürlich, denn auch wir wollten wieder einmal Welpen aufwachsen sehen, diesesmal Bolonkas. Etwas war ganz entscheidend: Die große Offenheit der Züchterfamilie ließ bei uns keine Bedenken aufkommen, wir haben vom ersten Kennenlernen an Vertrauen zu diesen uns bis dahin fremden Menschen aufgebaut und wurden nicht enttäuscht; von ihnen nicht und nicht von ihren Hunden!
Als wir Mascha zu uns holten war völlig offen, ob dieser Wurm mal ein Zuchthund werden würde; es war nur eine kleine Fellkugel zum liebhaben. Wir hatten zu der Zeit noch zwei betagte Perser aus unserer ehem. Zucht hier und hofften, daß sich Mascha mit denen anfreundete. Das wurde aber nichts, den Stubentigern war der kleine Irrwisch einfach zu wild. Also beschafften wir aus dem TH Görlitz noch ein etwa halbjähriges Katerchen, welches bereits kastriert war. Der "Heiko von Hoppenstedt" war keine zwei Stunden hier im Haus, da kuschelte Mascha mit Hoppi auf dem Sofa - was will man mehr?

Mascha entwickelte sich prima, erhielt die uneingeschränkte Zuchttauglichkeit und brachte im Alter von 18 Monaten ihren 3,1 A-Wurf, von dem wir das Mädchen behielten. Fehler, die wir bei den ersten zwei Würfen mit der Wahl des Deckrüden machten, resultierten auf dem Glauben an die im Internet massenhaft zu findenden "Standards" welche in Wahrheit nur Wunschvorstellungen der jeweiligen Autoren sind. Auch heute noch finden sich haufenweise Falschaussagen auf deutschen Webseiten, oft absichtlich am einzig gültigen RKF-Standard vorbeischießend. Als wir das erkannten, hatten wir bereits 8 Nachkommen von Mascha & Arno in die Welt entlassen. Die Kehrseite der Medaille ist, daß alle Welpen pumbertl gesund und ihre Besitzer mit den Bollis rundum glücklich und zufrieden sind. Arno ist ein kleiner Rüde mit einem liebenswerten Gemüt der kräftige und vor allem gesunde Nachkommen zeugte, leider zu keiner Zeit farblich dem Standard entsprach und als Schecke von keinem fachkundigen Richter je eine Zuchtzulassung bekommen hätte. Wir haben dazugelernt!
Nachdem wir Ende 2017 den Importrüden BALBO, ein leicht aufgehellter Schoko ohne Weißanteil und mit sehr gutem Pigment, mit unserer Mascha gepaart hatten, konnte uns das Ergebnis auch nicht wirklich zufriedenstellen. Zwar war Balbo seit langem unser Wunschkandidat doch was will das schon heißen? Es stand von vorhnerein fest, daß Maschas Zuchtkarriere mit diesem, ihrem 5.Wurf, enden wird und so endet auch das erste Kapitel der Kranichfelder Bolonkazucht. Ein wirkliches Ende ist es freilich nicht, denn in der Zeit vor Maschas letzter Mutterschaft war unsere Anastasia mit Kolja in zwei Würfen zu jeweils 4 Welpen erfolgreich.
Nasti brachte uns noch zwei weitere Würfe mit je 4 Welpen mit anderer Vaterschaft, allesamt gesund. Damit schlossen wir auch dieses Kapitel und entließen unsere Nasti in ihr Rentnerdasein. Sie hat uns 16 Welpen aufgezogen, davon kein einziger Schecke oder gar Tricolor und sie war eine absolut hingebungsvolle Mutter, die bis in die 11. Woche ihre Kinder gesäugt hat. Vor ihrem ersten eigenen Wurf bemutterte sie stets mit Begeisterung die Kleinen ihrer Mutter, unserer Mascha, welche es nie gelernt hatte und nach 3 . . . 4 Wochen von der "nervenden Bande" die Nase voll hatte. Bis auf den letzten Wurf, bei dem sie nochmal so richtig aufblühte und ihre Mutterrolle erstmals wirklich annahm. Sie gebar uns 22 Welpen, von denen einer gleich euthanasiert werden mußte und ein anderer, mit einem starken Rückbiß, ein dennoch glückliches Leben führt. Es waren jeweils die zwei 5er Würfe, die sich bei Mascha als problematisch herausstellten.
Das 3. Kapitel beginnt mit dem einzigen Nachkomme von BALBO x MASCHA und hört auf den Namen HALKA. Sie hat nicht das Zeug zum Champion, aber sie hat durchaus ein nicht zu verachtendes Potential, welches auf ihren Leningrader Vorfahren beruht. Am 23.Februar 2018 geboren, endete ihre erste Gravidität mit 2,2 Welpen am 23.Dezember 2021 und wir haben erneut abgewartet, wie sich das, was da aus ihrem Schoße kroch, entwickeln würde. Nun, kurz und gut, es hätte schlimmer sein können :-) was kein Trost ist, doch in der planmäßigen Züchtung muß immer mit Unerwartetem und auch mit Rückschlägen gerechnet werden. Dann ist aufgeben der falsche Weg - als Züchter hat man es in der Hand, die weitere Richtung zu bestimmen, Korrekturen einzuleiten. Halka ist unsere erste Zwetnutschki, welche ihren Kindern Nahrung auswürgt! Alleine dieser Umstand ist für mich so bedeutend, daß sie unbedingt weiter in der Zucht bleiben wird. Es gibt noch andere Faktoren, doch dieser Urinstinkt ist uns jede Anstrengung wert, in der Linie gehalten zu werden. Das bedeutet, wir warten sehnlichst auf eine geeignete Tochter von Halka, die möglichst ein paar Fehler weniger als ihre Mutter mitbringt.
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